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„Ein winziger Makel“ von Nancy Huston

Vier Hauptpersonen als Ich-Erzähler beglücken in diesem Roman die Leserschaft.

Aus dem wirklichen Leben gegriffen, entgegen des zeitlichen Ablaufs, beginnt die Geschichte im Jahr 2004 und erzählt von einem Jungen, dem 6-jährigen Sol, der selbstbewusst, verwöhnt und wunderfitzig mit einem Muttermal am Kopf behaftet ist. Dieser Makel muss weg!

Das Leben seines Vaters, Randall beschreibt einen Mann, der viel dafür tut, damit in der ganzen Verwandtschaft ein gewisser Friede erhalten bleibt. Als Kind, 1982, zeichnet er Menschen ohne Rumpf. Als seine Mutter ihn darauf aufmerksam macht, gibt er zu, den Rumpf vergessen zu haben und beginnt, die Menschen mit Rumpf zu zeichnen. Meist kümmert sich sein Vater um ihn; seine Mutter ist die Erwerbstätige, stets zu beschäftigt und oft längere Zeit weg von zuhause. Zank in der Familie wegen vielen täglichen Kleinigkeiten ist an der Tagesordnung.

Bei der Figur von Sadie, Randalls Mutter, Sols Grossmutter, die als kleines Mädchen 1962 bei Grosseltern aufwächst, beginnt sich in ihrer fortgesetzten Geschichte langsam ein Geheimnis zu offenbaren, so, als liege da etwas in der hintersten dunklen Ecke einer Schublade verborgen. Ein Geheimnis, über das man nicht reden will und kann.

Die vierte Hauptperson des Romans ist die Urgrossmutter, die UGM, mit Namen Erra, die 1944 während des Krieges bei Grosseltern aufwächst. Sie und ihr Grosskind Randall haben persönlich eine besondere Verbindung; beide besitzen ein braunes Muttermal, UGM in der Armbeuge und ihr Grosskind Randall zwischen Hals und Schulter.

Brutale, geheimnisvolle und menschenunwürdige Geschehen, die niemals vergessen sein werden, kommen ans Tageslicht.

Wenn sie das Buch gelesen haben, werden Fragen auftauchen. ‚Le figaro littéraire’ schrieb: ‚Dies ist eine sehr schöne Symphonie des Bösen’.

Ich empfehle Ihnen diesen hintergründigen geschichtsträchtigen Roman gerne.

Thomilin und sein Weib. Thomas Platter und seine Frau Annavon Helen Liebendörfer

Die Bibliothek verzeichnet einen interessanten Neuzugang aus der Geschichte Basels, den ich gerne weiter empfehle.

Der historische Roman aus dem 16. Jahrhundert schildert eindrücklich die damaligen Lebensumstände in Basel und erzählt die wechselvolle Lebensgeschichte von Thomas Platter und seiner Frau Anna Dietschi.

‚Thomilin’ stammte aus Grächen im Wallis, studierte in Zürich Latein, Griechisch und Hebräisch. Einige Jahre später lernt er in Basel den Beruf des Seilers; dort trifft er die Magd Anna, die nach einer bescheidenen Trauung in Dübendorf seine Frau wurde. Anna verstand es, erfolgreich zu haushalten, sie nahm Kostgänger auf, um so einen Beitrag und Hilfe zu leisten, damit des Mannes Finanzen im Lot gehalten werden konnten. Das Ehepaar bekam vier Kinder; die erstgeborenen drei Mädchen fielen in der Zeitspanne von zwanzig Jahren allesamt der Pest zu Opfer. Felix, das vierte Kind überlebte und wurde Medizinprofessor an der Universität und Stadtarzt in Basel. An ihn erinnert unter anderem das Felix Platter-Spital.

Dieses wissenswerte Lesevergnügen könnte leicht dazu verleiten, in Basel die verschiedenen Schauplätze zu besuchen und sich die im Buch beschriebenen Strassen und Häuser im heutigen Zustand anzusehen.

‚Eurotrash’ von Christian Kracht

Es ‚kracht’ tatsächlich im neuen Roman von Christian Kracht. Lautlos. Die Geschichte kommt heiter daher und berichtet von einer mit Skurrilität gespickten Reise durch die Schweiz, vom Trip einer schlagfertigen, raffinierten Mutter mit ihrem Sohn Christian.

Der Protagonist und Erzähler wird von seiner Mutter nach Zürich gerufen; sie müsse ihn dringend sprechen. Der erwachsene und gehorsame Sohn reist nach Zürich.

Die Mutter, über achtzigjährig, alkohol- und tablettensüchtig und mit einem Stoma lebend, weilt derzeit zu einer Kur an der Goldküste des Zürichsees.

Nun will sie mit dem Sohn nach Afrika reisen, um Zebras zu beobachten und Geld zu verteilen. In Mamas Hausbank werden tausende grosser Noten abgeholt und in einem Plastiksack mit auf die Weiterreise genommen. Der engagierte Taxifahrer übt sich in beneidenswerter Geduld, und so besuchen Mutter und Sohn erst einmal einige Orte in der Schweiz, die für die alte Frau einst sehr wichtig waren. Afrika bleibt noch in weiter Ferne. Woher stammen diese Millionen, die die Mutter zu verteilen wünscht?

Der neue Roman von Christian Kracht handelt oberflächlich gesehen von einer harmlos daher kommenden Schweizer-Rundfahrt. Gleichzeitig gibt er Einblick in die tiefen Abgründe seiner Familiengeschichte, von deutscher und eidgenössischer Nazivergangenheit. In einem Abschnitt findet sich kurioserweise ein futuristischer Satz: Da stehen im Kühlschrank einige Flaschen Wein von der Migros.

Der Autor schrieb einen speziellen Roman, der, einmal gelesen, nicht gleich wieder in Vergessenheit geraten wird.

Das Buch liegt nun auch in unserer Bibliothek bereit. Eine lesenswerte und bewegende Geschichte wartet auf Sie.

Die Vorstandsmitglieder leisten jeden Samstag ehrenamtlich den Bibliotheksdienst.

Die Dorfbibliothek wird von der Gemeinde Rodersdorf unterstüzt.


Für ältere Personen gibt es einen Treppenlift vom EG bis zum Dachgeschoss.

Öffnungszeiten

Samstag

10.00 bis 12.00 Uhr

Genaue Öffnungstage unter Bibliothekstage!

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